Hilfestellung I-VIII
Kunstprojekt für Neubau der Schulsporthallen Kniprodestraße 27, Berlin-Pankow

Auftraggeber: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt/Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Berlin. Architektin: Ingrid Hentschel, Büro Hentschel-Oestreich


Stahl, lasergeschnitten, lackiert; Malerei auf Beton; Berlin, 2016

Die Sporthallen gehören zu zwei Berliner Berufsschulen: der Elinor-Ostrom-Schule und der Jane-Addams Schule. Anknüpfungspunkt für mein Kunstprojekt sind die großen, raumhohen Glastüren, die die langen Flure der Gebäudes unterteilen und gliedern. Ich greife dabei die Kontur der Türrahmen auf und projiziere sie wie Schattenrisse verzerrt auf die Wand. Es entsteht ein Linienspiel, das die betont vertikalen Perspektiven der Architektur spielerisch aufbricht. Diese Schattenrisse definieren gleichzeitig eine Bildfläche auf die symbolische Figurendarstellungen geworfen werden, so als seien sie imaginär in die Glasflächen der Türen geätzt. Alle „Schattenrisse“ sind aus Stahl lasergeschnitten, in einem dunklen Grau lackiert und vor die Wand gesetzt. So erhalten sie eine starke plastische Präsenz.

Die Zugangstüren der Geschosse sind normalerweise geschlossen, die Rauchschutztüren in den Fluren aber stehen dauerhaft offen. Bedingt dadurch befinden sich die Motive dort also zur Hälfte „hinter Glas“ – wie bei einem Bild. Darum arbeite ich hier „nur“ mit Malerei, nicht mit Metallelementen, und kehre die Farbigkeit um: helle Motive auf dunklem Grund. Die Türflügel werden so zum Bilderrahmen.

Beim Schulsport kommt es in besonderer Weise auf das Miteinander der Teilnehmer an. Das bezieht sich nicht nur auf Mannschaftssportarten. Viele individuelle Übungen können erst durch Hilfestellungen eingeübt werden. Die Figuren meiner Motive befinden sich in einem gegenseitigen Abhängigkeits-, Unterstützungs- oder Gleichgewichtsverhältnis, wobei nicht immer deutlich wird, wer hier wem Hilfestellung leistet.

Teil der Arbeit war ein partizipatives Projekt mit Schülern der Elinor-Ostrom-Schule, in dessen Verlauf die Schüler Modell standen. Die Gesichter der Figuren sind Portraits einiger Schüler.

Wolf von Waldow 2016

Begründung der Juryentscheidung durch Sven Kalden, Vorsitzender des Preisgerichts:
„Die an den Flurtüranlagen verorteten Schattenrisse haben die Kraft, die streng orthogonale Architektursprache aufzubrechen und den Fluren einen spannenden Charakter zu verleihen. Die leicht zugänglichen Motive der Schattenrisse thematisieren kritisch und zugleich humorvoll verschiedene Aspekte des Sports, was insbesondere von den Schulen begrüßt wird. Bei der künstlerischen Ausgestaltung werden die Türen in ein intelligentes Spiel aus Relief und Schatten eingebunden. ... Insgesamt erfüllt die Arbeit in herausragender Weise den Anspruch der Auslobung, die Wahrnehmung des Gebäudes durch die Präsenz der Kunst zu stärken.“