Thalstraße

Projekt für Neubau Talstr. 69-75 in Hamburg-St.Pauli im Auftrag der SAGA, 1999

Der Neubau befindet sich auf einem Gelände, das beinahe hundert Jahre lang 
extrem dicht bebaut war. Von diesem lebendigen Quartier waren Mitte der 
sechziger Jahre nur zwei einzelne Hinterhofgebäude übrig geblieben.

Ich entwickelte die Idee zu einem Bodenmosaik, das die historische Ebene wie eine archäologische Schicht sichtbar machen soll. Wie das zufällig aufgefundene Relikt eines Fußbodens oder eines Teppichs, deutet es die Lage alter Räume an, die sich unter dem jetzigen Gebäude fortsetzen könnten. Als Ort für meine Arbeit bot sich der Durchgang von der Talstraße in den Hofbereich an.

Formal sind die beiden Böden wie Spielpläne angelegt, ein Hinweis auf St.Pauli 
als militärisches und soziales Spiel- und Interessenfeld. Die Motive beziehen 
sich unmittelbar auf die Geschichte des Ortes. Die Figuren des vorderen Bodens, Matrosen und Polizisten, stehen für die beiden gegensätzlichen Pole, zwischen denen sich das Leben in St.Pauli lange Zeit abspielte: staatliche Macht einerseits und chaotische, weltoffene Freiheit andererseits. Die Mitte des Bodens basiert 
auf einem Plan von 1946, der die Kriegsschäden in diesem Gebiet zeigt. Die
Motive des hinteren Bodens beziehen sich auf die Entwicklung des Bauplatzes. Sie schlagen einen Bogen von den Wiesen und Weiden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Bau eines Autobahnzubringers in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts. Die gegeneinander gerichteten rot-weißen und schwarz-weißen Spitzen des Spielfeldes, weisen auf die ursprüngliche Lage unmittelbar an der Landesgrenze hin.

 

 
Thalstraße, Hamburg-St. Pauli; um 1900