Narrativ

Wandobjekte 2016/19

Stahl, lasergeschnitten, lackiert

Unter dem Eindruck der sogenannten Flüchtlingskrise habe ich 2015 mit der Entwicklung dieser Werkgruppe begonnen. Sie ist auch als Ausdruck meiner eigenen Rat- und Fassungslosigkeit gegenüber den stark polarisierten öffentlichen Diskussionen und ihren vereinfachenden Antworten zu verstehen. Der Begriff „Narrativ“ taucht im gegenwärtigen Diskurs immer häufiger auf. Er bezeichnet eigentlich eine sinnstiftende Erzählung und ist positiv besetzt. Allerdings drohen angesichts der geopolitischen Verwerfungen in der letzten Zeit viele dieser Erzählungen ihre Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft zu verlieren.

Solche Erzählungen sind allegorischen Darstellungen vergleichbar. Auch diese komprimieren komplexe Zusammenhänge zu griffigen, konsensfähigen Bildformeln. In dieser Serie greife ich unterschiedliche Sinnbilder auf, vom heraldischen Zeichen (Fahne, Eichenlaubkranzkranz), über bestimmte Gesten und Posen (etwa der Redner, der die einzig wahre Richtung weist) bis hin zum ikonischen Bild der brennenden Twintowers. Ich setze sie dabei bewusst gegenläufig ein um zu fragen, inwieweit die (Heils)Versprechungen kollektiver Erzählungen in einer Zeit, die so sehr von medialer Überhitzung geprägt ist. überhaupt noch tragfähig sein können.

Was geschieht mit einer Gesellschaft, deren Rahmenbedingungen sich so schnell ändern, dass solche Visionen keine Bindungskraft mehr ausbilden können?

Wolf von Waldow, 2018